:: Mahlzeiten::


Wir waren kürzlich bei Freunden eingeladen, die ein kleines aber sehr feines Bungalow-Resort führen.
Eine Woche ohne Gäste, so durften wir den Pool mitgeniessen.
Das Highlight für uns. Fast wie Ferien.

Wir wurden kulinarisch verwöhnt und haben die Gespräche am Tisch genossen.
Am Ende sagte mir die Frau, dass sie so erstaunt war, dass unsere Kinder sooo lange
am Tisch blieben (sie selber haben keine Kinder).

Ich war gerührt, aber im Moment auch ein wenig überrumpelt …
Ist das bei dir auch so? Manchmal bekomme ich keinen vernünftigen Satz
raus, wenn jemand meine Kinder lobt und ich weiss, dass viel Arbeit hinter diesem gelobten Verhalten steckt.
Also murmelte ich etwas viel zu Langes, warum uns das so wichtig ist etc., anstatt das Lob, das ja schlussendlich auch uns Eltern gilt, anzunehmen.


Denn kein Aussenstehender kann die Entwicklung tagtäglich mitverfolgen. Die meisten sehen nur das Endprodukt, und die anderen, die womöglich mittendrin mal dabei waren, wo es nicht so rosig ausgesehen hat, haben es vergessen.

Du liest das unter Umständen hier auch und wünschst dir selbst so Kinder, die das tun könnten.
Aber es ist nun mal so: Du hast es versucht, aber es geht eben nicht bei deinen Kids.
(Lies den letzten Blog dazu unbedingt, wenn du es noch nicht getan hast).

Lass dir sagen, dass der Prozess anstrengender war, als ich es in Worte fassen kann. Nicht nur kräfteraubend, energie- und zeitaufwendig, nein, es benötigte sogar JAHRE!
Genau wie bei dir wollten unsere Kinder nicht am Tisch sitzen bleiben. Alles andere war viel interessanter. Manchmal dachte ich mir, dass es eine der unmöglichsten Aufgaben ist, ein Kleinkind am Tisch zu behalten.
Ohne es anzubinden, ständig abzulenken oder gar einen Film zu zeigen, schien es hoffnungslos.
Wir haben uns trotzdem für den härteren Weg ohne Tablet entschieden. Natürlich durften die Kids ein Büchlein anschauen, während wir unser Essen genossen, denn runterschlingen wollte ich unser mit Liebe zubereitetes Essen dann auch nicht.
Natürlich durchlebten wir Mahlzeiten mit ununterbrochenem Gejammer und Weinen, und das mehr als es uns angenehm war.

Lohnt es sich, sollen wir weiterhin dranbleiben? Werden wir jemals Licht am Ende des Tunnels sehen?
Schon nach einigen Monaten kamen diese Zweifel auf. Wir hatten ja auch keine Erfahrung, sammelten all unser Wissen in der Praxis und dies in Echtzeit.
Freunde mit älteren Kindern ermutigten uns, dranzubleiben.
Für einige Monate gab uns dies Hoffnung, aber sie verliess uns nach kurzer Zeit wieder und wir fragten uns, ob unsere Freunde uns wirklich die Wahrheit gesagt hatten.
Eindeutig taten sie das, die Schwierigkeit lag nur darin, dass wir als Eltern manchmal schnell vergessen, was es gekostet hat.

Nun, Jahre später, geniessen wir die Früchte. Wir hielten unser Ziel vor Augen.
Gleich wie Athleten versuchten wir, unsere Trainingseinheiten zu nutzen, uns nicht entmutigen zu lassen mit dem Blick auf die Medaille.

Erziehung braucht Durchhaltevermögen seitens uns Eltern, Ausdauer – und zwar auf lange Sicht.
Selbstverständlich fühlten wir uns auch oft entmutigt und unsicher, ob wir es packen würden.
Genau dieses Ziel, das auch immer wieder in verschiedenen Studien besprochen wird, wie wichtig der Familientisch ist.

Familienmahlzeiten bieten die Möglichkeit:
- Zeit miteinander zu verbringen, sich nach einem anstrengenden Tag wieder zu verbinden, miteinander zu kommunizieren und einander zuzuhören, Werte und Ideen auszutauschen und Probleme zu lösen.
- Sprachentwicklung zu fördern.
- für gesündere Essgewohnheiten.

Man hat sogar herausgefunden, dass die Schulnoten positiv beeinflusst werden.
Untersuchungen zeigen auch, dass Kinder, die an Familienmahlzeiten teilnehmen, eine geringere Chance haben, risikoreiche Verhaltensweisen wie Drogenkonsum und Gewalt auszuüben und weniger psychische Probleme haben.

Ob du nun alles glaubst oder nicht, sei dahingestellt. Fakt ist, dass Familienmahlzeiten sich auf alle positiv auswirken. Ich habe noch keine Studie über negative Folgen
gelesen.

Herausforderungen wird es geben, manchmal sogar ganz starke Widerstände. Wichtig ist zu wissen, warum du dranbleiben möchtest.

Mehr dazu in andern Einträgen wie diesen:

https://childwise-ch.blogspot.com/2018/09/trauen-wir-unseren-kindern-nicht-mehr-zu.html
https://childwise-ch.blogspot.com/2018/04/beginne-so-wie-du-auch-weiterfahren.html
https://childwise-ch.blogspot.com/2017/02/familienmahlzeiten-horror-oder-schon.html
https://childwise-ch.blogspot.com/2015/12/manieren-praktisch.html

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