::Lebensworte vs. vernichtende Worte::



Wir haben schon einige Blogeinträge über die essentiellen Lebensworte geschrieben.
Wie wichtig es ist, dass wir zu Hause eine Atmosphäre schaffen, in der man ermutigt, bestärkt und befähigt wird.
Wo sonst als in den eigenen vier Wänden!?
Denn auswärts – im Kindergarten oder auf dem Schulhauspausenplatz – weht manchmal ein
rauher Wind.

Zu Hause sollte man bedingungslos akzeptiert, geliebt und bestärkt werden.

Diesen Eintrag möchte ich von der anderen Seite beleuchten.
Lebensworte sind theoretisch schön und gut, aber wie sieht es ganz ehrlich und praktisch
bei uns zu Hause aus?
Wie ist unsere Sprache?
Ist der Grundtenor positiv, negativ oder neutral?

Schauen wir uns mal einige Beispiele an.

Wann hast du das letzte Mal zu deinem Teenager gesagt, wie unmotiviert er ist?
Hand aufs Herz: Hat ihm diese Aussage geholfen, motivierter zu werden?
Dachte er sich: “Wow, ja, meine Eltern haben recht, ich sollte es mal mit motiviert versuchen!”
Wann hat diese Aussage jemals das Positive hervorgerufen?

Du weist deine 8-jährigen Tochter an, dass sie sich zusammenreissen soll und nicht immer so eifersüchtig zu reagieren hat.
Auf diese Aussage folgt eine langatmige Liste, in welchen Bereichen sie sonst noch eifersüchtig ist, abgeschlossen mit der Frage, wann diese Eifersucht wohl endlich aufhören wird.
Glauben wir wirklich, dass dieses Herumreiten auf einer Schwachstelle sie auf wundersame Art und Weise dankbar machen wird?
Ihr den Weg zur Zufriedenheit aufzeigt?

Wann haben diese Aussagen unsere Kinder von Herzen motiviert?

- “Hör doch mal auf, immer so weinerlich zu sein!”
- “Du bist immer so ungeduldig, das wird dir im Leben später zum Nachteil werden.” (Sozusagen negative Worte im Doppelpack: erst gegenwärtig und dann auch noch zukünftig!)
- “Du bist der einzige, der so wehleidig ist!”
- “Sei nicht so laut!” (Ups, sagen wir das nicht alle am Laufmeter?) :-)
- “Hör auf, du musst nicht immer das letzte Wort haben!”
- “Sei nicht frech, gelangweilt, aggressiv, dominant, hysterisch, schüchtern, zurückhaltend, fies, scheinheilig, verlogen, gefrässig …!”

… und die Liste könnte endlos weitergeführt werden.

Welche negativen Charaktereigenschaften deiner Kinder gräbst du immer wieder auf?
Ganz ehrlich, du musst es niemandem sagen, aber sich dessen bewusst zu sein ist schon ein starker Schritt in die entgegengesetzte Richtung.
Oder hast du jemals ein Kind erlebt, dass an solchen Aussagen gewachsen ist?

Ich weiss, wie schnell diese Worte über unsere Lippen kommen. Man muss sich irgendwie gar nicht darum bemühen oder es trainieren.
Ungefragt nehmen sie überhand und möchten unser zu Hause einnehmen, wenn wir sie nur lassen.

Aber das tun wir nicht!

Wir schieben ihnen den Riegel vor und bringen sie mit den Tugenden zum schweigen.
Das müssen wir jedoch lernen. Die Lebensworte sprudeln meist nicht so einfach aus uns heraus.
Vielleicht bei Freunden und Bekannten, aber zu Hause, wo wir unsere Masken ausziehen und an unsere Grenzen kommen, ist es schwieriger.

Lebensworte haben jedoch die Macht, vernichtenden Worten den Kampf anzusagen. Und nicht nur das – sie befähigen unsere Kinder, über sich hinauszuwachsen.
Sie motivieren, ermutigen und zeigen unseren Kids den Weg auf.

Vernichtende Worte halten unsere Kinder zurück. Sie verhindern die Weiterentwicklung, beschädigen die Atmosphäre und unsere gegenseitige Beziehung.

Diese Lebensworte müssen wir kennen, lernen, trainieren und ständig wiederholen. Bald wirst du merken, dass dir die Schwächen nicht mehr als erstes in den Sinn kommen.

Hier noch einige Einträge dazu:
https://childwise-ch.blogspot.com/2015/10/lebensnamen.html
https://childwise-ch.blogspot.com/2016/07/speak-life-sprich-leben.html

Viel Spass beim Üben.

Anmerkung: Ich meine hiermit überhaupt nicht, dass wir jegliche “negativen" Worte, was viele mit „Nein" assoziieren, nicht mehr verwenden können. „Nein" muss nicht ein böses Wort sein.“Nein" zeigt lediglich Grenzen auf, die nötig und wichtig sind. Wenn jedoch alles „nein" ist, dann wir die Grenze zum Negativen schnell überschritten.
Bleib aufmerksam. Finde die Balance!


Welche Worte dominieren deinen Alltag?

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