:: Alles unter einen Hut bringen -1-::


Wenn du mehr als ein Kind hast, hast du bestimmt schon bemerkt, dass es nicht einfach ist, verschiedenen Altersgruppen gerecht zu werden. 

Oft komme ich mir wie eine Zirkusartistin vor, die versucht, drei Bälle geschickt zu jonglieren. Nur, dass ich dafür nie eine Artistenschule besucht habe, geschweige denn genug Zeit gehabt hätte, es richtig zu üben. :-) 

Nehmen wir die Filme, die die Ältesten schon schauen dürfen und die Jüngsten noch nicht. 
Welchen Weg schlägst du ein? Den des geringsten Wiederstands, was so viel bedeutet wie ein Film für alle, entweder nur immer altersentsprechend für die Jüngsten, was die Ältesten frustriert, oder halt dass die Jüngste schon Filme schauen darf, die du den Ältesten in diesem Alter nie erlaubt hättest?

Wir haben uns früh entschieden, dass wir altersentsprechend unseren Kindern Geduld lehren wollen, und dass sie sich füreinander freuen können (was ganz klar zu unseren Familienwerten gehört). Weil uns dieser Punkt so wichtig ist, kommen wir oft darauf zurück und fragen uns, ob die Situation oder die Herausforderung dies unterstützt. 
Ganz praktisch mussten wir lernen es auszuhalten, dass das eine Kind mit Unverständnis und Wut reagiert, wenn das ältere Geschwister etwas darf, was das Jüngste halt noch nicht kann. Wie eben einen Film schauen. 

Dieses Aushaltenkönnen hat uns enorm geholfen, nicht nachzugeben, wenn das jüngere Kind quengelt. Und dies zu lernen war alles andere als einfach, denn Kinder haben diese ganz besondere Fähigkeit, dich herauszufordern. Und manchmal kommt es mir so vor, als ob ihre Kraftreserven dafür den meinen überlegen sind. 

Immer wieder werde ich bei Eltern-Coachings genau mit diesem Punkt konfrontiert. Eltern beurteilen diese Situationen zu emotional und kommen zum Schluss, dass es nicht fair sei, weil das herzzerreissende Weinen der Jüngsten sie trifft oder deren Wutanfall sie überfordert. 

"Der Gescheitere gibt nach" zieht in diesem Fall nicht. Überlege dir, ob deine heutige Entscheidung langfristig gute Früchte hervorbringt. 

Natürlich ist es bei uns auch so, dass wir an Familienfilmabenden nur einen Film schauen, der für alle angebracht ist. Dann dürfen unsere Ältesten lernen, Rücksicht auf die Jüngste zu nehmen. Oft kann aber diese Rücksicht auf alles überhand nehmen, weil man den Alltag auf die Jüngsten abstimmt und die Ältesten nur noch Verständnis haben müssen. 
Die Aussagen der Ältesten „Das hast du mir aber noch nicht erlaubt" sollten uns hellhörig machen. Denn wir tendieren tatsächlich dazu, viel weniger von den Jüngeren zu erwarten. Ich allemal. 

Halte mal inne und überlege dir, ob da was dran sein könnte. 
Es ist völlig ok, wenn dein Jüngstes frustriert ins Bett muss, weil es jünger ist und die Ältesten noch einen Film schauen dürfen. Nimm dein Kind ernst und sage ihm, dass du die Frustration verstehst, verpasse jedoch nicht den Moment, wichtige Samen der Freude zu säen. Bleibe nicht in dem Frust, dass alles sowieso nicht fair und gerecht ist, sondern begleite dein Kind heraus. 

Ich verspreche dir, es ist nicht der Weg des geringsten Wiederstandes, längerfristig jedoch ist es der harmonischste, bestärkendste und ermutigendste Weg. 
Denn du wirst sehen, dass deine Kinder ganz viele wichtige Lektionen dadurch lernen. Sie werden zufriedener, ausgeglichener, lernen Geduld und Freude. 
Sie fühlen sich nicht ständig hintergangen und sind nicht eifersüchtig. 

Welchen Weg möchtest du einschlagen? 
Es ist immer Zeit für eine Kurskorrektur. 

Ich musste schon einige Male merken, dass ich nachgelassen hatte und dann die Zügel wieder fester in die Hand nehmen, um diese wichtigen Lektionen nicht der momentanen Bequemlichkeit zu unterordnen. 

Jonglieren ist nicht einfach, und beherrschen werden wir diese Fähigkeit nie ganz. Weise, aufmerksam und reflektierend zu bleiben, wird uns jedoch dabei helfen. 

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