::Angst::


Ich höre des Öfteren: “Mein Kind hat Angst!”

Wovor hat dein Kind Angst?

In Gesprächen mit Eltern ist es mir am Anfang sehr wichtig, sie darauf aufmerksam zu machen, die Angst der Kinder ernst zu nehmen, aber genauso nichts zusätzlich hineinzuinterpretieren.

Das Hineininterpretieren kommt schleichend!
Es ist ja nicht so, dass wir uns vornehmen, unserem Kind noch mehr Angst zu machen oder
es sogar auf Dinge aufmerksam machen, an die es nie gedacht hätte. Irgendwie jedoch geschieht es dann doch irgendwie.

Oft unbewusst und klanglos fies, ist diese zusätzliche Information plötzlich da und stellt nochmals alles auf den Kopf.

Was meine ich damit?

Dein Sohn erwacht mitten in der Nacht und schreit. Du gehst noch halb schlafend zu ihm hin und fragst ihn, was los ist, worauf er keine Antwort gibt und weiter weint.
Ganz automatisch kickt unser “Ich muss es reparieren”-Modus ein.
Also fange wir an, diesem Problem auf den Grund zu gehen, Sohnemann scheint uns ja nicht dabei zu unterstützen, also selbst ist der Papa/die Mama.

Hier befinden wir uns ganz schnell auf gefährlichem Terrain und die Befragung nimmt ihren Lauf.

“Hast du Angst von der Dunkelheit?”
“Hattest du einen Albtraum über Geister, Wölfe, Spinnen, … ? (Wir packen ganz selbstverständlich unsere eigenen Ängste mit rein)
“Hast du was Gruseliges gesehen?”

Keine Antwort. Durchgehendes Weinen.

Die Verzweiflung hat nun jede(n) geduldige/n Vater/Mutter erreicht.

“WOVOR HAST DU ANGST!?”

Kennst du dieses Szenario?

Wir sind alle schon in diese Falle getappt. Alles, was wir wollen, ist den Fall zu lösen.

So schnell jedoch haben wir etwas in diese Situation hineininterpretiert, was weder erbauend, bestärkend noch ermutigend ist.

Plötzlich denkt der junge Mann: “Oh ja, vor Spinnen, Geister und Wölfen habe ich ja auch Angst,” und die entsprechenden Bilder seiner lebhaften Fantasie nehmen überhand. Die Dunkelheit ist für ihn genauso plötzlich zum Feind geworden, denn wenn Papa und Mama das erwähnen, muss es etwas Schreckliches sein!
Siehst du wohin wir uns hineinmanövriert haben?

Das Eigentliche war ein schreiendes Kind in der Nacht, und zu schnell kommen wir mit unserer Erfahrung und oft auch eigenen Furcht aus der Kindheit hervor.

Was besser wäre, ist sich einfach mal neben das Bett hinzusetzen, den Sohn in die Arme zu nehmen, ihn zu trösten, und ihn nicht zu diesem Zeitpunkt einem Verhör zu unterziehen.
Beruhige deinen “Ich muss es reparieren”-Modus. Beiss auf deine Zunge – das musste ich schon öfters tun. Eventuell hilft es auch, wenn du deine Hände faltest, um Selbstkontrolle
zu erlangen :-)… Ja, das brauch ich auch. Und dann warte und höre zu.

Wenn er sich beruhigt und wieder einschläft, sei zufrieden mit keiner Antwort zu diesem Zeitpunkt.

Vielleicht spricht er am nächsten Tag darüber oder weiss es gar nicht mehr.

Womöglich gibt er dir aber auch eine Antwort zu diesem Zeitpunkt, und mit dieser – und nur dieser – kannst du dann “arbeiten”.

Wird dein Kind von vielen Ängsten geplagt, dann beachte Folgendes, was die Ängste reduzieren kann:

1. Limitiere Fernseh- oder Filmzeit. Nicht alle Kinderfilme sind “sicher” und nicht jedes Kind geht gleich damit um. Sei weise.

2. Eltern können ihre Kinder auf potenzielle Angst vorbereiten, indem sie ihnen erklären, was sie sehen oder erleben werden.

3. Lass dein Kind beispielsweise nicht selber das Pferd streicheln gehen. Geh mit.

Kinder überwinden normalerweise ihre Ängste, wenn sie sich mit dem Objekt der Angst vertraut machen.

Nimm jede Angst ernst, auch wenn sie für dich irrational ist.

Lache deine Kinder niemals aus, gib ihnen keine Kosenamen wie Angsthase.

Sei dir auch bewusst, dass die meisten Ängste später überwunden werden.

Sei geduldig, tröste und höre zu!

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