::Verbale Freiheiten::

 
Hast du ein Kind, das nicht nur das letzte Wort haben will, sondern zusätzlich noch immer argumentiert? 
Bei jeder Instruktion, bei jeder Anweisung, bei jedem Wort deinerseits scheint es so, als 
ob etwas dieses Kind förmlich herausfordert, mit dir in den Ring zu steigen um zu sehen, wer den Kampf der Worte gewinnt. 
Ding, Runde 1, Ding, Runde 2 ... 

Es nimmt kein Ende und du fühlst dich schon frühmorgens ausgelaugt und müde. 
Wie kann so ein kleiner Knirps dich verbal so herausfordern!? Hätte dir das jemand gesagt, bevor du Kinder hattest, hättest du es nie geglaubt. 
Das ist doch meist so! :-)

Auch hier gibt es die verschiedenen Schattierungen von Kindern, und manche Eltern sind insgeheim stolz darauf, weil sie  denken, dass sich ihre Kinder dann später im realen Leben auch behaupten können und zu ihrer Meinung stehen. 
Aber ob sie dann wirklich die respektvolle Art fördert, ihre Meinung kundzutun, das wage ich zu bezweifeln, denn bei unseren Kids geht es doch meist um das, was sie genau jetzt wollen oder eben nicht. Stimmt's? Sie versuchen zu argumentieren und zu diskutieren, damit sie das bekommen, was sie möchten. Ich spreche hier über Kleinkinder und nicht über Kinder ab 10 Jahren, denn diese können sehr wohl ihre Meinung kundtun, auch weil sie unter anderem gelernt haben, wie man dies respektvoll tut. 

Oft fordern wir Eltern diese Argumentation heraus, weil wir die Anweisung in Frageform stellen. Wie oft machen wir es unseren Kindern unnötig schwer, weil wir sie fragen, anstatt ihnen eine Anweisung zu geben. 

Komm, lass uns Zähneputzen gehen, ok? 
Lass uns aufräumen, ok? 
Gehen wir jetzt nach Hause? 
Kommt dir das bekannt vor? 

Eigentlich wollen wir gar keine Frage stellen, gehen dann aber doch mit der Tonlage hoch, und schwups wird es zur Frage. 
Wir haben im letzten Kurs auch diskutiert, warum das so ist.
Vielleicht stellt man eine Frage, weil man nicht so autoritär rüberkommen möchte, oder oft wollen wir die Anweisung nicht als Frage maskieren, sondern nur nachfragen, ob sie uns verstanden haben. 

Hierbei gibt es einen besseren Weg, der keine Unsicherheiten zulässt. 
Arbeite am Ja Mama/Ja Papa. 

Mehr dazu in diesem Eintrag: 
http://childwise-ch.blogspot.ch/2011/07/ja-mama-ja-papa.html

Wenn du eine Anweisung geben möchtest, dann muss du diese nicht in Frageform stellen, ansonsten gibst du deinem Kind die Möglichkeit, Ja oder Nein zu sagen, obwohl du keine Wahlmöglichkeit geben wolltest. 
Beobachte dich mal die nächste Woche hindurch. 
Wenn du dazu tendierst, öfters Fragen zu stellen, dann wird die Umgewöhnung lustig, denn du musst ein neues Muster kreieren und bei der Anweisung, wo du normalerweise mit der Tonlage nach oben gehen würdest, wirst du plötzlich super tief, um ja keine Verwirrung herzustellen.  
Du wirst aber sehen, dass es nicht lange geht, bis du es dir abgewöhnt hast. 
Wenn du ein Verhalten einfordern oder abstellen möchtest, dann lass dich nicht mehr auf Diskussionen ein, verhandle nicht mehr, sondern bleibe dran. Wenn du beispielsweise möchtest, das dein Kind die Hände wäscht, es aber nicht tut, dann geh mit ihm Hände waschen. Wenn du das einige Male machst, dann lernt dein Kind, dass Mama/Papa meinen, was sie sagen. Selbstverständlich spreche ich hier von Kleinkindern in der Lernphase und nicht von Teenagern :-). 

Wenn du eine Wahlmöglichkeit geben möchtest, dann kannst du das natürlich tun. 
Grenzen geben einem Kind Sicherheit und einen geschützten Rahmen, in dem es sich entwickeln kann. 

Wie oft tendierst du in Diskussionen, nachzugeben? Dein Kind lernt dadurch nur, dass wenn es hartnäckig dranbleibt, es das bekommt, was es will. UND Kinder können SEHR HARTNÄCKIG sein. Ich denke mir oft, woher haben sie diese Energie!? 
Deshalb meine, was du sagst und sage, was du meinst. Wenn du nicht dranbleiben möchtest, dann ist es besser, du sagst gar nichts. 
Natürlich gibt es auch Raum, um die Meinung zu ändern. Vielleicht haben wir zu schnell nein gesagt, aber das sollte dann doch eine Ausnahme bleiben und besser, wir überlegen es uns vorher. Ansonsten verunsichern wir unsere Kindern.

Lehre deinen Kindern, eine respektvolle Diskussion führen zu können, aber tu dies altersentsprechend. 
Kleinkinder haben oft Mühe damit. Mit älteren Kindern geht das schon besser und ist eine wichtige Lehre für die Zukunft. 

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