:: Zeiten ändern sich::



In manchen Momenten besinne ich mich zurück an die Zeit, in der ich aufgewachsen bin. Und überhaupt nicht in einer Früher-war-alles-besser-Manier. Sondern einfach so, in Erinnerungen schwelgend. 
An die Unbeschwertheit, die natürlich das Kindsein mit sich bringt, aber halt auch das Leben ohne Medien. Obwohl meine Eltern hart arbeiteten – mein Vater auswärts und meine Mutter zu Hause mit uns – wir keine Mikrowelle hatten und auch keine Geschirrspülmaschine (kann sich das heute noch jemand vorstellen?!), erinnere ich mich nicht daran, dass sie so getrieben waren wie wir und viele Eltern es heute sind.
 
Sie hatten nicht diese unausgesprochene Checkliste, an der viele Eltern sich heute messen.  
- gut aussehen (möglichst lange jung) 
- sportlich 
- instagram-ähnliche Gerichte kochen, die auch noch gesund sind 
- im Job erfolgreich, am besten noch sich selbst verwirklichen und etwas auf die Beine stellen 
- in der Fülle von Pinterest sich zurechtfinden 
- die Ehe und die Familie soll präsentierbar sein, den Anschein erwecken, dass alles "perfekt" ist. 
- Snapchat in den Alltag involvieren (wenn du hier nur Bahnhof verstehst, dann bist du nahe an meinem Jahrgang) :-) 
- unzählige Bücher (für die, die noch lesen :-), die uns sagen, was richtig ist (natürlich gibt es zu jeder These eine Antithese) 
- überall dabei sein. 
- und, und und ... 

Verstehe mich nicht falsch, ich sage überhaupt nicht, dass diese Dinge schlecht sind, denn ich mache von dem Einen oder Anderen auch Gebrauch.  
Es ist die Zeit, die dadurch verloren geht. 
Ich nehme mir immer mal vor, die Zeit zu stoppen, während der ich im Internet nach etwas suche, sei es Pinterest, Instagram, Google, Ricardo.... 
Aber irgendwie habe ich Respekt davor, denn ich weiss, dass es mich schockieren wird. 
Und noch einmal, ich bin überhaupt nicht jemand, der sich dem Neuen in den Weg stellt, oder alles verteufelt. Auch wenn ich immer noch kein Smartphone habe  (und dies nach der Konferenz und dem Thema Medien noch lange nicht haben werde!) :-) ist es wichtig, am Puls der Zeit zu bleiben und darüber Bescheid zu wissen. Auch wegen unserer Kinder. 
Aber kann es sein, dass wir es manchmal übertreiben? 
Wir vielleicht weniger gestresst wären, wenn wir nicht immer online wären? 

Ich denke, das bewusste Rangehen ist ein erster, wichtiger Schritt. 
Mein Mann und ich haben uns viele Gedanken nach der Konferenz dazu gemacht und haben auch neue Regeln aufgestellt. 
Ja, ich weiss, Regeln tönen langweilig und antik, vor allem wenn es Regeln für uns sind!
Aber weisst du was, es muss nicht im Sinne von total verbissen und unflexibel sein.  
Regeln können dir auch Freiheit geben. 

Heute, mit all unseren Annehmlichkeiten, der Geschirrspülmaschine, für die ich überaus dankbar bin …  Das Abwaschen von Hand war aber genau die Zeit, in der ich meiner Mutter beim Abtrocknen mein Herz öffnete. So nach dem 5. Teller oder so ... :-) 
Natürlich müssen wir nicht zurück in die Steinzeit, aber bewusst überlegen, wie wir heute die Zeit mit unseren Kindern regelmässig einplanen. 

Die Dates mit den Kindern sind natürlich toll, aber ich spreche von alltäglichen Zeiten ohne Aktivitäten. 

Wir können beispielsweise spazieren gehen, auf der Coach sitzen und uns austauschen … einfach Zeit nehmen, ohne Ablenkung. Was für ein wunderschönes Geschenk, das unbezahlbar ist und heutzutage höchsten Wert hat. 

Ich lege mich manchmal abends zu meinen Kindern und wir sprechen oder lesen nebeneinander. Wir unterhalten uns dabei nicht immer … einfach "sein", den Moment geniessen, ohne Aktivität, diese Ruhe aushalten zu können und einfach die Gegenwart des anderen zu geniessen, ist so befreiend und belebend. 

Wir arbeiten daran herauszufinden, wie wir mehr Ruhe ohne Ablenkungen in unseren Alltag bringen können, denn diese Zeit ist uns kostbar. 
Wir sind noch voll im Prozess und ich glaube, das wird es immer bleiben, aber bewusst mal zu überlegen, was wir tun können, ist ein guter Anfang. 
Aktiv Veränderungen einbauen, ohne Entschuldigungen zu machen. 
Zeit ist kostbar, Zeit scheint uns verloren zu gehen. Sie zerfliesst viel zu schnell und es ist uns oft gar nicht mehr bewusst, weil es ja "allen" gleich geht. 

Nimm einen Schritt zurück und fokussiere dich auf die wichtigen Dinge des Lebens.
Dies soll kein besserwisserischer Eintrag sein, denn ich selber bin auch voll drin. 
Aber ich denke, es lohnt sich, dass jeder für seine Familie sich einige Gedanken darüber macht. 

Früher war nicht alles besser, aber genauso ist es das heute nicht. 
Lasst uns pro-aktiv unser Leben anschauen und nicht im Strom der Allgemeinheit versuchen, sich über Wasser zu halten. 
Ich freue mich auf die Veränderungen. :-) 

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