::Wie sprichst du über deine Kinder...::


...in ihrer An- und Abwesenheit?
Wir Eltern gewöhnen uns daran, dass wir seit der Geburt unserer Kinder über sie sprechen – ob sie dabei sind oder nicht. 

Denn mit der Geburt wird ein Baby ab sofort ein wichtiger Bestandteil seiner Familie.
Ein willkommenes Mitglied, das Mama und Papa von ganzem Herzen lieben und somit auch zu einem wichtigen Thema wird. Und weil ein Kleinkind unsere Gespräche noch nicht versteht, gewöhnen wir uns daran, mit anderen über unseren Nachwuchs zu sprechen.
Man muss sich ja schliesslich austauschen können. Und ja, das ist wichtig.
Dann kommt das Kind ins Trotzalter und die Gespräche wechseln von: „Schau mal wie niedlich!“ zu:

„Er/Sie treibt mich noch in den Wahnsinn!"


Vielleicht denkst du, dass sei ein wenig überspitzt gesagt, aber ich kenne einige Eltern, welche die Wandlung ihres Babys fast nicht mit dem Alter erklären konnten. Sie sagten, es fühle sich an, als sei das Kind ausgetauscht worden.
Vom angenehmen, fröhlichen Baby zum kleinen Terminator mit einem sturen Kopf.
Wie auch immer du diesen Wechsel wahrgenommen hast, ob problemlos oder einschneidend, was doch als roter Faden erkannt werden kann ist, wie wir anfangen, über unsere Kinder zu sprechen.
Ganz langsam, schleichend, gewöhnen wir uns daran, über sie zu sprechen.
Wir schneiden in ihrer Gegenwart herausfordernde Themen mit unseren Freunden, Bekannten und unserem Partner an, denn ganz verstehen tun die Kleinen es noch immer nicht wirklich. Also ist es in Ordnung.

Später dann, wenn unser Nachwuchs im Teenageralter sein wird, werden wir es natürlich nicht mehr tun (und ihn blossstellen, so wie unsere Eltern uns blossgestellt haben)! Ist doch klar.
Was uns jedoch oft nicht bewusst ist, ist dass die anfangs einzelnen Gespräche, die um Rat bitten, über die Jahre zu einem Gejammer werden und wir unsere Kinder schubladisieren oder gar blossstellen.
Und ich spreche hier nicht darüber, dass wir unseren Kids mal peinlich werden :-), ich glaube, dass der Abnabelungsprozess ein wichtiger ist und wir auch lernen müssen, die Privatsphäre unseres Nachwuchses zu wahren.

Worüber spreche ich also?
Schauen wir uns mal verschiedene Sätze an:
Wenn jemand uns ein Kompliment macht, wie gut sich unser Kind benimmt, erwidern wir schnell: „Wenn du wüsstest, wie er zu Hause ist! Dann ist er ganz anders, WENIGSTENS klappt es auswärts."
Im Dorf treffen wir die Mutter einer Schulfreundin und die lädt unsere Tochter zu einer Geburtstagübernachtungsparty ein. Wir antworten darauf (und unsere Tochter steht natürlich neben uns): „Das ist lieb, sie ist aber so scheu und klebt an meiner Seite, ich glaube, das klappt nicht, sie wird nur weinen und dann muss ich sie abholen kommen, das ist mir zu anstrengend!"
Wir schubladisieren:
Er ist halt scheu.
Sie hört nie zu.
Er kann kaum ruhig sitzen.
Sie ist so frech.
Er schlägt halt manchmal.
Sie beisst.
Er manipuliert.
....
....


Und weil wir diese Art Gespräche in An- und Abwesenheit unserer Kinder über JAHRE unterhalten, stehen wir in Gefahr, dass uns dies gar nicht mehr bewusst ist und wir einfach weitermachen. Die eine Schwelle ist ja schon genommen. Mir kommt dies immer wieder im Gespräch mit Eltern zu Ohren, und in letzter Zeit wurde mir die Tragweite noch bewusster, als ich mit Eltern, die schon erwachsene Kinder haben, darüber sprach.

Wirklich traurig, wenn wir unseren Kindern nichts mehr zutrauen, nicht mehr an ihr Potenzial glauben, nicht mehr ihr Cheerleader sind.
Wie müssen sie sich fühlen, wenn ihre engsten Bezugspersonen, ihre Eltern, so über sie sprechen?! In dieser wichtigen Zeit, in der man die Beziehung und das Vertrauen stärken sollte.
Und ich weiss, dass wir das nicht vorsätzlich und bösartig tun. Manchmal wird es doch auch zum Trend, so über seine Kinder zu sprechen, es wird zum Sprechchor und wir plappern einander nach.
Es ist nicht wirklich „in", Leben über unseren Kindern auszusprechen, das Potenzial in ihnen hervorzuheben. Der Trend ist dann eher, mit seinen Kindern anzugeben, aber das ist nicht das Gleiche.


Nehmt euch mal diese Woche Zeit, um darüber nachzudenken, wie ihr über eure Schätze sprecht.
Wir können noch eine Kursänderung vornehmen, wenn nötig.
Es lohnt sich.
Es wäre schade, wenn unsere Beziehung zu unseren erwachsenen Kinder durch unser Reden getrübt würde. Wenn sie jeweils die Augen verdrehen, aber dies zu recht.

Welche Worte dominieren?
Speak life!


Wir müssen diese Balance finden, denn es ist mir bewusst, dass wir uns als Eltern auch austauschen müssen und Rat brauchen, oder uns die Herausforderungen einfach mal von der Seele sprechen.
ABER es gibt da einen feinen Unterschied.
Überschreite diese Linie nicht.
Sprich Leben aus, ermutige und lobe auch und vor allem in Gegenwart anderer.
An den Dingen, an denen du arbeitest, tue dies hinter verschlossenen Türen in der Sicherheit der Familie.

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