::Freiheiten -1-::


Ich durfte wieder einmal an einem Müttertreff über dieses Thema sprechen. 
Und erneut wurde mir bewusst, welch grosser Unterschied diese Freiheiten machen. 
So subtil und klein sie erscheinen, so viel Auswirkungen können sie haben. 

Also, lass uns mal schauen, wie das aussehen könnte. 
Kennst du das: Schreien und stampfen deine Kinder auch mal, wenn sie nicht bekommen, was sie möchten? Sind sie weinerlich, jammern, schmollen, beklagen sich wenn sie nicht selbst entscheiden können? 

Seien wir mal ehrlich, wir kennen alles diese Szenarien. Du bist nicht etwa super ANDERS oder eine Auserwählte, wenn du damit zu kämpfen hast. Also darfst du gerne mal tief durchschnaufen ... :-)
Vor allem in der Zeit von 18-36 Monaten, der sogenannten Trotzphase, kann die Post so richtig abgehen. 
Die Kinder testen einfach alles aus und suchen die Grenzen. 
Das gehört dazu.
 
Meist braucht es doch gar nicht viel. Ich habe mal „Trotzanfälle“ gegoogelt, und da waren die lustigsten Bilder dabei! 
Ein Kind, das mitten im Weg am Boden liegt und weint, weil es die Hand der Mutter nicht halten wollte. 
Ein Junge der weinte, weil seine Mama ihn nicht das Styropor essen liess. 
Schmunzelst du schon? Ja, es fällt uns doch ein Stein vom Herzen, wenn wir sehen, dass wir nicht die Einzigen sind. 
Was aber können wir tun, um proaktiv auch an dieser Herausforderung dranzubleiben? Es gibt etwas, das die Situation unterstützt und beruhigt - zukünftig, manchmal auch im Hier und Jetzt, oder wenn du nicht gerade mittendrin in der Trotzphase steckst:
Kindern nicht ZU VIEL oder ZU WENIG Freiheit zu geben. 

Den Kindern zu viele Freiheiten zu geben überfordert sie und macht sie altklug. Sie denken sich, dass sie einfach alles entscheiden können. 
Kindern zu wenig Freiheiten zu geben, frustrieren sie. 

Nun, aus meiner Erfahrung geben wir unseren Kindern in der heutigen Zeit zu viele Freiheiten. Wir haben das abgelöst, nachdem die autoritäre Erziehung hip war, die unsere Eltern vielleicht noch praktizierten oder genossen. 

Dort gab man lieber zu wenig Freiheiten, da man nicht die Kontrolle verlieren wollte. 
Heute geben wir unserem Nachwuchs zu viele Freiheiten, weil wir ihm das Beste geben möchten. Freiheiten, die nicht altersgemäss oder entwicklungsmässig sind. 
Wenn du jetzt mit diesen Freiheiten nur Bahnhof verstehst, erkläre ich mal, wie diese aussehen könnten. 

Sehen wir uns einige Freiheiten an: 
Zu viele Auswahlmöglichkeiten: 
Wer entscheidet jeweils, was gegessen wird? 
Wer entscheidet, welcher Becher für den Orangensaft am Besten ist? 
Wer entscheidet, welchen Spielplatz man besuchen möchte? 
.... 

Vielleicht antwortest du jetzt: „Natürlich ich!" 
Schauen wir mal so eine Nachmittagsroutine an: 
Du bist bedacht, deiner Familie gesunde Mahlzeiten zu kochen und hast ein neues Rezept für eine Tomatensauce mit Gemüse gefunden. Schön drapierst du diese über die Volkornpenne. Dein Kind sagt dir jedoch, dass es die Sauce NICHT AUF die Penne möchte. Was ja kein Problem ist. Du nimmst dir seinen Teller und machst eine neue Portion gemäss seinen Anweisungen. 
Nach dem Essen hast du die Idee, dass ihr noch vor der Spielzeit ein UNO spielen könntet. Dein Kind möchte jedoch viel lieber Monopoly spielen. Gut, auch ok.
Du bereitest alles auf dem Esstisch vor, als dein Spross meint, dass er aber viel, viel lieber auf dem Küchentisch spielen möchte. Ok, das ist ja auch kein Problem. Du hast ja sowieso erst angefangen, alles auszupacken. 
Nach der Spielzeit möchtet ihr noch kurz zum Spielplatz. Ihr macht euch bereit und lauft in Richtung Spielplatz los. Dein Kind  
jedoch meint, dass es lieber zum anderen Spielplatz möchte, der sei so viel cooler. Ok, ist ja kein Umweg.  
Als vorbildliche Mutter gibst du ihm dann kurz vor dem nach Hause gehen eine 5-minütige Vorwarnung, dein Kind möchte jedoch noch 10 Minuten bleiben. „Fünf oder 10 Minuten macht ja keinen Unterschied“, denkst du.
Das Abendessen läuft ähnlich ab wie das Mittagessen und danach sagst du deinem Kind, dass es sich schon fürs Zähneputzen bereit machen soll, denn es würde bald ins Bett gehen. 
"NEIN, das möchte ich noch nicht!" ist seine bestimmte Antwort. 
Hin und her geht es, bis du frustriert und dein Kind nicht minder wütend ist, vielleicht sogar stampfend am Boden liegt, und du denkst dir: „Was soll das!? Habe ich nicht den ganzen Tag alles für mein Kind gemacht?"

Sieht so ähnlich deine Nachmittagsroutine und vielleicht auch deine Morgenroutine aus? Hast du dich ertappt … hmmm, ertappt kann man vielleicht nicht sagen, denn ich weiss, dass wir dies nicht vorsätzlich tun, um unsere Kinder zu verwöhnen, es macht 
uns einfach nichts aus. Ob die Sauce nun auf die Penne oder daneben kommt, dieses Spiel oder jenes, auf dem Esstisch oder in der Küche … alles kein Problem. Keine roten Flaggen, nichts Moralisches, nur Kleinigkeiten. 
Aber was es mit dem kleinen Kind macht, das den ganzen Tag alles wählen konnte, und dann aber nicht ins Bett möchte, ist eigentlich verständlich. Kinder besitzen noch nicht die Erfahrung und Lebensweisheiten, die wir haben. Wir wissen, wie wichtig  
der Schlaf oder das Zähneputzen ist, sie sehen dies aber als eine Art Einmischung an, wenn wir auf etwas bestehen, nachdem SIE den ganzen Tag alles andere entscheiden konnten. Und meist betrifft es ja nicht nur einen Tag, denn der Tag wird zum Monat und dann zu Jahren, in denen das Kind die Entscheidungen selber trifft. 

Eine andere Art, deinen Kindern zu viele Freiheiten zu geben ist, sie jeweils alles zu fragen. 
"Möchtest du lieber diese Schuhe oder die anderen?" 
"Magst du lieber dieses Brötchen oder jenes?"
"Welche Jacke möchtest du anziehen?"
..... 
Auch dies ist eine Art, deinen Kleinkindern zu viele Freiheiten zu geben. 
Hör dir mal selber in der nächsten Woche zu.  
Beobachte dich und dein/e Kind/er. 
Es ist wie immer wichtig hier zu sagen, dass es um ein Muster geht. Eine Angewohnheit, die deinen Tag beeinflusst. 
Es geht nicht darum, dass du deine Kinder nie fragst, was sie gerne hätten, oder ihnen nie Freiheiten gewährst, sondern eben mal aufmerksam auf deine Woche achtest. 
Kommt es ständig vor, dass du sie fragst, oder du ihnen Anweisungen gibst und sie dann schlussendlich doch alles entscheiden? 

Teil -II- folgt ...

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