::Alles im Griff?!::


Von welcher Person denkst du: Die hat alles im Griff?
Wen beneidest du so ganz im Geheimen ein bisschen, weil du denkst, er oder sie lebt die ideale Ehe, hat perfekte Kinder und scheint sowieso irgendwie aus der Werbung entsprungen?

Vielleicht gibt es diese Person oder diese Personen, diese Familie, die dir, wann immer du sie siehst, innerlich einen Stich versetzt.

Wir vergleichen, und wir vergleichen oft.
Diese wirklich schlechte Angewohnheit ist wie eine Krankheit, die uns nicht gesund macht sondern immer kränker. Und uns mit jedem Gedanken leider immer tiefer fallen lässt.

Vielleicht geht es meiner Nachbarin wirklich so gut, wie sie mir immer fast singend erzählt: Die Kinder ein Traum, der Ehemann ein wahrer Gentleman und die Ferien einfach perfekt. Ich fühle mich jedoch des Öfteren wie eine Versagerin und mache bestimmt Einiges falsch, wenn es allen anderen so ausgezeichnet geht.
Dann aber trifft mein Mann ihren Mann, der ein wenig ehrlicher ist und erzählt, wie schlimm ihre Nächte sind, etc.
Also doch nicht so bilderbuchmässig!

Hast du alles im Griff?
Habe ich alles im Griff?

Soll ich dir mal etwas sagen? NIEMAND HATS IM GRIFF!
Einige sind ehrlicher als andere, und manche versuchen leider, die Wahrheit zu verstecken, was super kontraproduktiv für die Gesundheit von uns anderen Müttern und Vätern ist.

Glaube mir, in meiner fast 10jährigen Erfahrung in der Arbeit mit den verschiedensten Eltern – mit ganz ruhigen, eher lauteren, selbstbewussten oder scheuen: Niemand hat alles im Griff.

Wir sind alle auf dem Weg, wir kämpfen alle mit schwierigen Phasen. Oft denken wir doch, dass wir die Einzigen mit diesem Problem sind und getrauen uns kaum, darüber zu sprechen. Was würden die anderen denken?

Ich möchte dich jedoch ermutigen: Sprich darüber.

Man fühlt förmlich die Erleichterung der Mütter in meiner Gruppe, wenn jemand offen über seine Herausforderungen spricht.
Es ist mir in den Erziehungskursen so wichtig, dass wir einen geschützten Rahmen geben, in dem wir offen über alles sprechen können. Deshalb erzähle ich auch jeweils als Erstes immer wieder über meine Herausforderungen, wie ich mich immer wieder total überfordert fühle, nicht weiter weiss oder wieder einmal wenig freundlich meine Kinder zurechtgewiesen habe. (Einige hätten dann gerne einen Beweis in Form eines Clips, was ich aber ganz sicher nicht liefern werde :-) Mein Wort muss reichen!) :-)

Ehrliche Transparenz mit viel Liebe und Verständnis bringt uns weiter.
Wir möchten jedoch auch dort nicht stehenbleiben sondern einander ermutigen, dran zu bleiben. Ermutigung, das haben wir gemerkt, ist einer der Schlüssel unsere Arbeit! Ermutigung trägt dich weiter als du denkst.

„Ah, das ist normal, bleib dran, es lohnt sich“, ist eine meiner meistgebrauchten Aussagen gegenüber Eltern, und zwar in jeder Phase.
Sei es beim Baby, beim Kleinkind, das keine Spielzeit mehr machen will, oder dem Teenager.

Es ist normal, ABER bleibe dran. Das ABER ist hier so ein wichtiger Komponent. Denn so gerne würde man doch aufgeben. Und fragt sich: „Lohnt es sich wirklich?!"

Wir Mamas und Papas brauchen Menschen – Mütter und Väter – die uns vorausgegangen sind und uns auf unserem Weg ermutigen. Ich bin so froh, habe ich solche Vorbildeltern (nicht perfekte Eltern) in meinem Leben.

Bei unseren regelmässig stattfindenden GEMS-Treffen ehemaliger Kursteilnehmenden hören wir auch immer wieder, dass besonders Mamas und Papas, die einen Erziehungskurs besucht haben denken, sie seien Versager, wenn es mit dem Nachwuchs nicht so läuft wie gewünscht. Deshalb ist dieser Austausch untereinander so unglaublich wertvoll und lässt sich nicht ersetzen!

Ich bin überaus dankbar für alle praktischen Werkzeuge, die super hilfreich sind, denn sie haben unsere Ehe und Familie fundiert. Doch sind sie keine Zauberformel, die einen reibungslosen Ablauf garantieren und uns vor Stürmen verschonen. Sie helfen uns jedoch, auf dem Kurs zu bleiben, sie unterstützen unsere gesteckten Familienziele enorm, sie halten uns auf dem Weg zum Ziel … sie nehmen uns jedoch nicht die Arbeit ab! :-)

Ich habe letzthin meiner Gruppe gesagt: „Mein Ziel ist es nicht, dass meine Kinder mal sagen werden, sie hatten eine perfekte Mutter, sondern dass sie eine Mutter mit Macken und Schwächen hatten, die oft ungeduldig war, die sich jedoch bei den Kindern entschuldigen konnte, die spürbar an sich arbeitete und sich ehrlich für die Kinder interessierte und sie von ganzem Herzen lieb hatte.
Man könnte die Liste weiterführen, aber es geht mir einfach darum zu sagen, dass unser Ziel als Eltern nicht sein muss, dass wir alles im Griff haben – denn wer hat das schon?!

Investiere in deine Kinder, lehre sie, bleib auf dem Weg. Lass dich ermutigen.
Wir alle kennen diese Tage – ach, was sage ich! – machmal sind es Monate, wo nichts zu greifen scheint.
Doch lass dich nicht entmutigen, du bist die beste Mutter, der beste Vater, für deine Kinder!

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