::Erziehung ist ein Marathon – kein Sprint::



Oft bereiten wir uns auf einen Sprint vor, bündeln alle Energie und sind dann nach 100, 200, oder sogar 400 m völlig erschöpft, niedergeschlagen und enttäuscht.

Ist es nicht so? In vielen Dingen möchten wir schnell Resultate sehen. 
Wir sind uns ausserhalb der Erziehung gewohnt, dass wir nicht mehr lange auf etwas warten müssen. Das Navi im Auto ist schnell installiert – kein mühsames Anhalten und Auf-der-Karte-suchen. (Wer kennt das überhaupt noch?) :-)
Man muss auch nicht mehr in der Bibliothek herumstöbern um Antworten auf eine Frage zu bekommen (ja, ich bin schon so alt!). Mit einem Klick erhalten wir Millionen von Infos – ob sie dann wahr oder unwahr sind, das sei dahin gestellt. (Kleine Anmerkung: Glaubt nicht alles, was im Internet steht) :-)
Oder wer hat noch im Telefonbuch nach einer Nummer suchen müssen, eine Telefonkabine gesucht, weil man zu spät an ein Meeting kommt und sich entschuldigen möchte, oder Fotos gemacht, die man dann zuerst zum Entwickeln einsenden musste um zu sehen, ob es was geworden ist oder nicht ...

Leider wirkt sich unsere „Klick-Mentalität" oft auch auf unsere Erziehung aus. Wir wollen schnell Resultate sehen: Dass unsere Kinder mit dem Löffel essen, sich endlich selbst anziehen, freundlich grüssen, die Wahrheit sagen, verantwortungsvoll und selbstbewusst sind, grosszügig, etc. 
Was ist es bei dir?

Frag dich mal, wo du gerade mit deinem Kind dran bist.
Hast du eine Sprint-Denkweise?
Oder ist dir bewusst, dass du einen Marathon läufst?
Wenn du einen Sprint läufst, versuchst du das Ziel in möglichst kurzer Zeit in höchster Geschwindigkeit zu erreichen.
Der Marathon ist über 42 km, das könnte man auf die 18-20 Jahre, die unsere Kinder bei uns sind, übersetzen.
Trainer empfehlen, während eines Marathonlaufs ein möglichst gleichmässiges Tempo zu halten oder auch die Strecke in Phasen aufzuteilen um im Endteil eventuell die Geschwindigkeit nochmals erhöhen zu können.
Die Empfehlung ist jedoch, einen Marathon langsam anzugehen.
Viele Eltern starten ihre Erziehung voller Energie und zuversichtlich, sie gehen von null auf hundert und sind dann nach kurzer Zeit erschöpft und entmutigt.
Ermutigung und Anfeuern von seitens anderer Eltern hilft hier oft, sich wieder auf die Strecke zu begeben und für einen Marathon zu trainieren. 
Ein weiser Läufer würde nie ohne Training einen Marathon laufen.
Ich ermutige Eltern stets, dass wir Jahre mit unseren Kindern verbringen. Wir haben so viel Zeit. Natürlich ist es wichtig, diese Zeit weise zu investieren.

Ein Sprint versucht, äussere Angepasstheit des Kindes zu erreichen, ein Marathon erreicht das Herz.
Wir möchten, dass es eine Herzenshaltung des Kindes wird.
Bleibt dran, es lohnt sich!

Teile die Strecken in Phasen auf. Arbeite an einem Ding aufs Mal und versuch nicht, alles in einer Woche zu erreichen. 

Freue dich vor, in und nach jeder Etappe, denn diese Zeit bekommst du nicht zurück.
Du wirst die Früchte zu gegebener Zeit sehen.

Halte dein Tempo gleichmässig, geniesse den Lauf, denn er ist überaus kostbar!

Ich liebe es, Mütter und Väter zu ermutigen und anzufeuern. Ich stehe auf der Seitenlinie und rufe dir zu: "Du schaffst es, du machst einen fantastischen Job und bist wunderbar, mach weiter!"

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