Streit unter Geschwistern -1-


Ich wurde eingeladen, über dieses Thema zu sprechen. 
Manchmal ist es doch eigenartigerweise so, dass wenn man ein Thema vorbereitet, man hautnah
genau das praktizieren kann, was man lehrt. Ja, meine Kinder stritten mehr. :-)

In diesen Momenten dachte ich, wie vielleicht du auch: „Wenn doch nur dieser Streit nicht wäre!“

Oh ja, es kann frustrierend sein, deinen Kindern beim Streiten zuzusehen und eben vor allem zuzuhören. Manchmal raubt es einem den letzten Nerv, und oft fühlt man sich ohnmächtig.

Weshalb überhaupt streiten denn Geschwister so oft? 
Die Gründe führen entweder auf Eifersucht zurück, die Kinder konkurrieren miteinander, oder sie sind einfach müde.

Der Grund warum sie so streiten wie sie es tun ist, weil es ihnen an Reife fehlt.
Darum kneife ich ja meine Schwester nicht mehr, oder reisse an ihren Haaren, nur weil sie ein schöneres Kleid hat. :-)

Die guten Nachricht ist: Es ist normal und es kommt in den besten Familien vor (und schon höre ich einige tief durchatmen). :-) 
Die schlechte Nachricht ist, dass die Kinder es nicht einfach so rauswachsen werden, und es ist auch nicht einfach eine Phase, die du überleben musst. 
Entschuldigung … ja ich weiss, nicht einfach zu verdauen.
Mit einfach so rauswachsen meine ich, dass du nicht einfach kaffeetrinkend auf dem Sofa einige Jahre warten kannst, bis alles vorüber ist.
Es braucht Einiges an Investition deinerseits.

Es ist eine moralische Herausforderung, die INSTRUKTION, ERMUTIGUNG und KORREKTUR benötigt.

Wie jedoch kann ich daran arbeiten?

Erstens ist es wichtig, den Kindern altersgemäss zu lernen, wie sie selbst damit umgehen sollen.
Das wichtige Wort hier ist altersgemäss. Ich gehöre nicht zu der Gruppe von Müttern, die sagen, dass Kleinkinder ihre Konflikte einfach selber lösen sollen und ich mich nicht einmischen sollte. 
Weil – seien wir doch mal ehrlich – hierbei gewinnt der Stärkere. Und das ist nicht das, was ich meinen Kindern weitergeben möchte.

Als sie noch klein waren (unter drei Jahren), ging es ums Schlagen, Schubsen, Wegnehmen. Wenn ich sah, wer was getan hatte, machte ich sie darauf aufmerksam, dass man nicht schubst oder schlägt und man fragen sollte, wenn man etwas möchte.
Wenn es so weiterging, kam es öfters vor, das jemand dann halt unfreiwillig einige Zeit im Bett oder Laufgitter verbringen durfte.
Ab drei Jahren fing ich stärker damit an, die moralischen Werte dahinter zu erklären. WARUM schlagen wir nicht, WARUM nehmen wir keine Spielsachen weg etc.
Verpass diese wichtige Veränderung nicht! Es ist so wichtig, ihr „moralisches Warenlager" aufzufüllen und das WARUM dahinter zu erklären.
Das bedeutet dann aber leider nicht, dass der Nachwuchs es morgen (oder in einer Stunde) nicht mehr tut. Investiere mehr Zeit, bleib dran, nutze Lernmomente immer und immer wieder!

Einer der Schlüssel ist bestimmt, in Nicht-Konflikt-Situationen darüber zu sprechen. In letzter Zeit nutzten wir auch die Autofahrten für solche Gespräche.
Ich benutzte sie zuerst aus der Not heraus, begann diese Momente jedoch zu lieben, da ich meine Kinder nicht frontal anschwatze (du machst das natürlich nicht, ich spreche eh nur von mir :-), sondern indirekt darüber sprechen kann.

Versuch es mal.

Zweitens, eine Regel die wir aufstellten und von der ich sicher schon gesprochen habe ist, dass man bei uns nicht petzt!
Ah und ich weiss, wir Mütter mögen eigentlich diese Extrainformation. Sie unterstützt jedoch die Geschwisterliebe keineswegs.
Das Kind erwartet die Unterstützung der Eltern, damit sein Geschwister Schwierigkeiten und Strafen bekommt.

„Er oder sie hat es getan,“ heisst es doch den lieben langen Tag.
In meiner 10-jährigen Karriere als Mutter habe ich jedoch schnell herausgefunden, dass derjenige der weint nicht immer das Opfer ist, oder der Schlagende der Täter.
Es ist so viel feiner.
Wenn wir wirklich am Herzen der Kinder arbeiten möchten, ist derjenige der geschlagen hat nicht schlimmer dran, als der andere, der ständig herausfordert.

Ich weiss, ich weiss! Die meisten Eltern, mit denen ich darüber spreche, sind sich nicht sicher, ob sie diese Regel auch übernehmen möchten. Sie ist schwieriger umzusetzen als man denkt. Als Eltern sind wir manchmal über diese Extrainformation doch sehr froh.
„Und was ist, wenn mal etwas ganz Schlimmes passiert und mein Kind sagt es mir nicht, weil es denkt, es ist petzen!???“ Diese Frage höre ich oft.
Deshalb ist es grundlegend in Allem den Kindern den Kontext zu lehren. 
Lehre sie den Unterschied zwischen „zu den Eltern kommen mit legitimen Anliegen" und „zu den Eltern kommen um die Geschwister in Schwierigkeiten zu bringen".

Die Kinder wissen es und du kennst den Unterschied: der Ton, die Worte und die Herzenshaltung sind völlig anders.

Wenn du die Geschwisterliebe stärken möchtest, versuch es! Ich möchte nie mehr zurück. Und seien wir doch mal ehrlich, das ständige Anschwärzen ist auch ziemlich erschöpfend und nervend.

Wie gehen wir dann aber praktisch damit um?

Wenn beide Kinder aufgebracht erzählen möchten, was der andere getan hat, mache ich sie darauf aufmerksam, dass sie zuerst sich Zeit nehmen sollten zu überlegen, was sie gemacht haben und dann nur ihre Seite erzählen dürfen.

Manchmal benötigen die Kinder Extrazeit im Zimmer um genau herauszufinden, was sie selbst dazu beigetragen haben. Die Schuld des Anderen scheint doch oft schlimmer und ist einfacher zu repetieren.
Natürlich kann es auch sein, dass man nichts getan hat, also reicht diese Antwort.

Ich habe nicht gesagt, dass es einfach sei, die Zeit hat mir jedoch aufgezeigt, das diese Hilfestellungen die ganze Herausforderung des Streites betrachtet und and eben an der so wichtigen Herzenshaltung arbeitet und die Geschwisterliebe stärkt.

Mehr dazu im zweiten Teil.




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