:: Nur ein Wort?::


Wenn wir die Bedeutung eines Wortes herausfinden möchten, können wir einfach Mr. oder Mrs. Google fragen oder ganz old school im Duden nachschauen. (Wer macht das noch?) 
Dann haben wir aber lediglich die Definition. 
Denn immer wieder merke ich, dass die eigene Assoziation mit dem Wort, die in den meisten Fällen nichts mit der Bedeutung dieses Wortes zu tun hat, durch die eigenen Eltern einen negativen Touch bekommen hat. Und das ist das eigentliche Problem.
All das, was in uns ab geht, wenn wir ein Wort hören, geschieht meist unbewusst. Wir verstauen gewisse Wörter in negativen Schubladen, weil sie genau diese Emotionen in uns hervorrufen. 

In einem Gespräch dann, sei es unter Arbeitskollegen, Freunden oder im Erziehungskurs, zieht sich in einem alles zusammen, wenn dieses Wort genannt wird. Die einen Eltern gehen den Weg der Konfrontation und verteidigen ihre Ansicht, dass dieses Wort nicht gut ist, und andere schlucken es stillschweigend runter, schwören sich jedoch, es nie anzuwenden, weil es für sie nicht stimmt. Nicht weil es gegen ihre Familienwerte, Überzeugung oder ihren Glauben geht – nein, sondern wegen der negativen Prägung, die dieses Wort mit sich bringt.
Man versucht es in der Erziehung des Nachwuchses beispielsweise mal mit der Konsequenz, aber wenn es nicht auf Anhieb klappt, stempelt man es schnell ab. Und zwar nicht, weil die Überzeugung fehlt, sondern weil die Wortbedeutung negativ geprägt ist. Dann entschuldigt man sich mit dem Satz: "Ich habe sowieso gewusst, dass Konsequenz schlecht ist!"  
Das Wort Konsequenz ruft die verschiedensten Emotionen in einem Menschen hoch: Verlust, hart, unfair, abgebrüht, ich bin es nicht Wert, etc. 
Ich merke dann schnell in Gesprächen, ob das Problem hinter der Vorgeschichte des Wortes liegt. 

Lass uns mal einen Test machen. 
Was lösen folgende Begriffe in dir aus?
Nimm jedes Schritt für Schritt und lies es ganz langsam für dich durch. 
Dann schreibe deine Emotion dazu auf, positiv, neutral oder negativ. 

- konsequent 
- Autorität 
- Grenzen 
- unterordnen 
- streng 

Und jetzt überlege dir, warum gewisse Worte negativ für dich sind. 
Ist es wegen deinem autoritären Vater? 
Oder deiner Mutter, die mehr hart als herzlich war? 
Deinem Grossvater, vor dem du Angst hattest?
Oder gar wegen deinem Lehrer, der dich unfair behandelt hat? 

Lass die Emotionen zu und grabe tiefer. Erkenne die Unwahrheiten, die an diesen Wörter haften. Die Erkenntnis darüber lässt dich viel freier leben und erziehen. 
Denn jedes der aufgeführten Wörter kann in Liebe geschehen. Die Liebe steht über all dem. 
Man kann liebevoll konsequent sein. Mir ist bewusst, dass diese Aussage dich ziemlich herausfordern kann, wenn die Prägung tiefer liegt als die eigentliche Wortbedeutung. 
Ich sage unseren Kindern ständig: "Du weisst, wir setzen diese Grenzen aus Liebe zu dir!" Sie können es schon gar nicht mehr hören. Aber sie wissen es ganz tief drin und unsere Ältesten haben uns auch schon gesagt, dass sie erkennen, dass wir FüR sie entscheiden und nicht GEGEN sie. 
In allem steht das Wohl der Kinder an oberster Stelle und nicht primär ihre momentane Zufriedenheit oder Bequemlichkeit. Natürlich gelingt uns das nicht immer, aber dass unsere Kinder wissen, dass wir nicht willkürlich Entscheidungen treffen, um sie zu umgehen, ist mir viel wert. 
 
Deshalb lehren wir unseren Nachwuchs in Liebe, dass man Autoritäten respektieren sollte, denn das wird ihnen im Erwachsenenleben helfen. 

Aber Achtung: Autorität hat nichts mit Angst zu tun, und wenn du merkst, das genau dieses Gefühl bei dir ausgelöst wird, dann weisst du, dass du eine negative Assoziation des Wortes nicht wegen der Bedeutung, sondern wegen deiner Prägung hast. Du siehst, es ist sehr komplex.

Es lohnt sich aber, genauer hinzuschauen. Mache den Test und grabe tiefer. Sprich mit einer/m Freund/in darüber, und wenn du merkst, dass du selber nicht rauskommst, dann hol dir jemanden, der sich damit auskennt.

Erziehe in Freiheit und löse dich vom unnötigen Ballast deiner Prägung.

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