::Präsent sein::


Wenn du mich – bevor ich selber Kinder hatte – gefragt hättest, was wohl am Schwierigsten mit Kindern sei, hätte ich nie daran gedacht, dass präsent sein die oberen Ränge belegen würde.
Niemals!

Natürlich hätte ich es nicht als das Einfachste auf der Welt eingestuft, aber
dass es so herausfordernd wird, nein, das hätte ich nie gedacht.
Heute, 13 Jahre später, schaue ich zurück und erkenne, dass diese Anwesenheit mit vielem konkurriert.
Vielem Wichtigen natürlich. Es sind solche Dinge wie Wäsche machen – "meine Kinder können ja nicht nackt raus!"
Was natürlich völliger Quatsch ist und nicht geschehen würde, denn die meisten können mindestens einmal wöchentlich waschen.
Wenn du eine Routine beibehältst und nicht täglich wäscht, dann schenkt diese Struktur zusätzliche Präsenzzeit – die jedoch dann mit dem Putzen konkurrieren kann.
"Wir können ja nicht in einem Schweinestall leben!"
Wenn du nicht Stroh rumliegen hast und eine echte Schweineherde (deine Kinder gehen nicht unter dieser Kategorie) :-), dann wird auch diese Sorge unbegründet bleiben.
Du musst nicht jeden Tag eine Grundreinigung machen. Das klaut dir die kostbare Präsenzzeit.
Auch wenn es dir in den Fingern juckt und der Staubknäuel dich förmlich herausfordert, bleibe präsent.
Es ist eine Übung. Ich habe unzählige Male gegen die Fusseln verloren und musste mein Lieblingsgerät, den Staubsauger, rausholen.
Ich werde aber immer besser, und als ich vor Jahren den Sonntag als staubsaugerfreien Tag erkoren hatte, half es mir enorm.
Diese Regel wurde meine Freiheit und half mir, die restlichen Tage entspannter anzugehen.
Nun, diese Zeit kann noch durch die Fenster, aus denen man kaum noch raussehen kann, draufgehen, oder durch das Kochen, Dekorieren, etc.
Vielleicht denkst du dir: „Ach, die ganzen Hausarbeiten, das juckt mich gar nicht!“ oder „Ich habe Hilfe, so dass es regelmässig für mich erledigt wird."
Es gibt noch mehr! :-)

Zeit zu haben bedeutet nicht automatisch, dass wir diese richtig einsetzen.
Du kannst körperlich präsent sein aber geistig abwesend.
Was können also zusätzliche Räuber sein?
Freiwillige Arbeiten, für die Bedürfnisse unzähliger Menschen da zu sein (was uns ein gutes Gefühl und einen Sinn von "etwas erreicht zu haben“ gibt) und sonstige Dienste.

Social Media Feeds sind hoch im Kurs, man will ja nicht verpassen, was echte und selbsternannte Freunde auf der ganzen Welt machen.
Genauso ist das Online Shopping, von welchem vor Jahren noch unvorstellbar war, dass es sich etablieren würde, heute für viele eine Freizeitbeschäftigung.
Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass alles, was mit www zu tun hat, uns nicht nur die versprochene Freiheit gibt, sondern zusätzliche Stunden stibitzt.

Heutzutage hat Präsenz einen Luxusstatus erreicht. Die wenigsten haben "freie Zeit", mit der sie dich beschenken möchten.
Man kann ja auch facetimen, skypen oder chatten, dies spart uns den Anfahrtsweg. Aber was wir mit dieser extra Zeit machen, ob die dann zur Präsenzzeit für jemanden wird, wage ich zu bezweifeln.

Alle Annehmlichkeiten dieser heutigen Zeit geben uns nicht nur mehr Zeit, sondern stehlen unsere Geduld plus Präsenzzeit – oder soll ich sagen: die Möglichkeit oder Fähigkeit, präsent sein zu können.

Du hast gemerkt: alles Dinge, die nicht an sich schlecht sind, und das macht es ja gerade so schwierig, sie zu erkennen!

Welches sind deine Räuber?
Meine habe ich wieder neu erkannt und möchte dranbleiben, noch präsenter zu sein, und zwar nicht nur physisch!

"Um morgen in den Erinnerungen deiner Kinder zu sein, musst du heute in ihrem Leben sein." Barbara Johnson










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